Franz von Arx
Im Berg, da findet der Berufsstrahler nicht nur seinen Frieden, sondern auch Riesenkristalle, wie sie einmalig sind im Alpenraum.
Mit einem verdächtigen, kleinen Riss im Fels hat die Geschichte angefangen. Die unglaubliche Geschichte von Franz von Arx und seinen Strahlerkollegen Paul von Känel und Elio Müller, die am Planggenstock auf der Göscheneralp innert 15 Jahren drei Jahrhundertfunde gemacht haben: Kristalle so gross, wie sie die Menschheit kaum je gesehen hat, glasklar und bis zu 400 Kilogramm schwer.
«Wenn du eine Kluft mit Kristallen öffnest, die 18 Millionen Jahre lang keine Maus gesehen hat, wenn du mit der Lampe reinzündest und alles funkelt wie ein Christbaum, dann wirst du demütig.» Franz von Arx‘ Blick ist direkt und klar, an seinem Hals hängt ein in Gold gefasstes Kristallpärchen. Er spricht wenig, aber seine Worte wählt er mit Bedacht. Wenn er von den sensationellen Funden redet, tut er das mit einer Bescheidenheit, die schon fast lakonisch wirkt. «Am Berg kannst du nichts erzwingen. Du bekommst das, was dort für dich bereitliegt.» Und das ist seit drei Sommern nichts. Nicht einmal eine einzige kleine Kristallspitze haben von Arx und Müller seit 2009 gefunden.
Dennoch geht der 61-Jährige jeden Tag ohne Erwartungen «ins Loch». Er denke nie daran, wie lange es dauere, bis sie wieder auf eine Kluft stossen. Auch am Ende des Tages beim Essen und einem Schluck Wein ist das kein Thema. Es sind eben nicht nur die Steine, die ihn Sommer für Sommer auf den Berg locken. Es ist die Stille und die ungezähmte Natur auf 2500 Metern. Das einfache Leben in der Hütte. «Die andere Welt», wie er es nennt. Auf dem Berg gibt die Natur den Takt vor. «Hier spüre ich, dass wir nur ein kleines Rad im gesamten Uhrwerk sind, dass wir nicht alles bestimmen können.»
Weder die Einsamkeit noch das tagelange Hämmern im Stollen haben ihn kauzig gemacht. Doch wenn er am Freitagabend nach zweieinhalb Stunden Fussmarsch ins Tal runterkommt, fragt er sich doch manchmal, ob nicht vielleicht die da unten etwas komisch seien. Für seinen Geschmack zu viel Lärm um nichts. Der bärtige Strahler ist kein Blender.
Wenn Franz von Arx von den Steinen spricht, funkeln seine Augen. Für die Momente des Findens hat er keine Worte. Dafür Bilder, eingeprägt für immer. Es genüge, die Augen zu schliessen und sie vor sich zu sehen. Die Energie der Steine zu spüren und den leisen Schauder auf dem Rücken. Das ist es, was ihn glücklich macht, nicht das Besitzen.